Aus dem Leben – Für das Leben – Spurens des Prophetischen – Heute

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Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum 100 Jahre Österreichische Provinz luden die Salvatorianerinnen am Samstag, den 13.06.2026 zu einem Festakt nach Wien ein. Die Festrednerin, die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger warnt vor falschen Propheten und bricht Lanze für „Netzwerke von Menschen, die in Verantwortung vor Gott und Mensch eine andere Welt imaginieren und in Demut und Liebe gewaltfrei an deren Umsetzung arbeiten“ Sie sprach über Spuren des Prophetischen in der Gegenwart bzw. die Relevanz der Orden für die Gesellschaft. (vgl. Kathpress-Meldung).

100 Jahre Österreichische Provinz seien ein Anlass, dankbar zu sein für die guten Früchte, die der salvatorianische Baum hier trage, so Quast-Neulinger. Aber es sei auch ein Anlass, darüber nachzudenken, „welche Bedeutung christliches Leben und vor allem Ordensleben in Kirche und Gesellschaft heute und morgen haben können, wo und wie wir die guten von den verführerischen Bäumen mit ihren falschen Früchten unterscheiden können.“

Die Theologin sprach von einem gegenwärtigen radikalen gesellschaftlichen Umbruch: „Nicht der Durchbruch zur Transzendenz ist das Zeichen unserer Zeit, sondern der Bruch mit der Transzendenz.“ – Gott sei „einfach weg, belanglos oder wird als Götze der Mächtigen gebraucht“. Alles löse sich im Diesseits und seiner Machtspiele auf. In diesem Sinne warne auch Papst Leo: Wo die Transzendenz in der Immanenz aufgelöst wird, würden Gott und Mensch getötet. Der „Gott“ der Sakralkönige der Gegenwart sei das Geld. Geld aber kenne keine unveräußerliche Würde, nur einen Preis. Und alles habe in diesem System einen Preis, auch „Gott“.

Eindringlich warnte Quast-Neulinger vor heutigen falschen Propheten und nannte etwa Peter Thiel, Elon Musk, die Vertreter des „White Christian Nationalism“ oder Paula White, oberste Religionsberaterin von US-Präsident Donald Trump. Solche „Propheten“ seien brandgefährlich, sie führten eine Autorität in das politische System ein, die jeglicher Kontrolle und Kritik entzogen ist.

Wahrhaft prophetisch leben bedeute deshalb heute vor allem auch, der Macht mit Wahrheit zu entgegnen. Quast-Neulinger: „Was ist in unseren Tagen wichtiger, als Zeugnis für die Wahrheit abzulegen? Wo Lüge, Fake News, KI und Verschwörungstheorien Parallelwelten erzeugen, die Menschen gegeneinander aufwiegeln und selbst einfache Gespräche unmöglich werden.“ Nachsatz: „Macht ohne Wahrheit tötet.“

Es brauche prophetische Gestalten, „die den moralischen Universalismus in ihren jeweiligen Traditionen verankern und im globalen Dialog einbringen“. Es brauche „Netzwerke von Menschen, die in Verantwortung vor Gott und Mensch eine andere Welt imaginieren und in Demut und Liebe gewaltfrei an deren Umsetzung arbeiten“. Ein solches Netzwerk seien die Salvatorianerinnen.

Orden als „Schocktherapie des Heiligen Geistes“:
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) sei gerade das Ordensleben immer wieder als „prophetisches Zeichen“ in Kirche und Welt genannt oder die prophetische Dimension des Ordenslebens betont worden. Und der Theologe Johann Baptist Metz habe Orden gar als „eine Art Schocktherapie des Heiligen Geistes für die Großkirche“ bezeichnet. Als Korrektiv gegen gefährliche Arrangements und fragwürdige Kompromisse, zu denen die Großinstitution Kirche immer wieder neigen mag.

Quast-Neulinger: „Ordensleben nimmt der Kirche und den Nichtordensleuten keine Bürde ab, sondern ist ansteckendes Licht, Sauerteig für Netzwerke des Guten, Balsam für die Wunden, ein Labor der göttlichen Menschlichkeit in den Wirren der Geschichte.“ Wenn sie in die Geschichte der Salvatorianerinnen blicke, dann waren die Ordensfrauen stets bereit, „an jene Orte zu gehen, wo Licht, sozialer Kleber, Balsam und Menschlichkeit dringend notwendig waren – und sind.“

P. Jordan und Maria von den Aposteln hätten mit der Gründung der Salvatorianerinnen ein prophetisches Zeichen gesetzt: „Ein anderes Leben ist möglich, das Heil steht allen offen, besonders den Bedrängten, Ausgebeuteten, Verlassenen.“ Als 1899 die ersten Schwestern nach Wien kamen, sei ihr erster Einsatzort das Maria-Theresia-Frauenhospital gewesen, wo mittellose Frauen medizinisch versorgt wurden, erinnerte Quast-Neulinger: „Balsam für Leib und Seele, heilsam wirken an jedem Menschen – das ist Kern des prophetischen Wirkens der Salvatorianerinnen inmitten der Wirren der Geschichte.“

So hätten die Schwestern auch nach 1945 das Zerstörte wieder aufgebaut bzw. ihre Mission den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Die Theologin verwies u.a. auf die Initiative „ImPuls Leben“, die heute jungen Menschen einen „Raum der Orientierung inmitten der Trostlosigkeit und Verlassenheit unserer Zeit bietet“. In den weltweiten Schulen der Salvatorianerinnen würden Kinder und Jugendliche Bildung im besten Sinn erhalten – „mit Herz und Hirn, oft unter dramatischen Umständen“. Quast-Neulinger nannte in diesem Zusammenhang etwa die Schule der Salvatorianerinnen in Nazareth.

Quast-Neulinger: „Wahre Prophetinnen hören auch den stummen Schrei der Verwundeten – und handeln. Prophetinnen aber lindern nicht nur die Not, sondern sie benennen die Strukturen der Unterdrückung, die Mechanismen der Sünde und arbeiten aktiv an Netzwerken des Guten, um Gerechtigkeit auch in Recht zu gießen.“

Eine der übelsten Strukturen der Sünde sei der Menschenhandel, der zugleich meist Frauenhandel sei. Prophetinnen und Propheten durchschauten das Spiel und würden die Dinge beim Namen nennen. „Wo der Mensch einen Preis hat, wird seine Würde angegriffen“, so die Theologin. Sie würdigte die Ordensfrauen-NGO „Solwodi“, die zum einen die Not lindere, zum anderen unnachgiebig zur Aufdeckung der Strukturen der Gewalt und Ausbeutung dränge.

„Brennpunkte salvatorianischen Wirkens“
Im Rahmen des Jubiläumsfestes wurden die von Quast-Neulinger angesprochenen Initiativen der Salvatorianerinnen sowie einige weitere „Brennpunkte salvatorianischen Wirkens in Österreich heute“ vorgestellt. Abgeschlossen wurde der Festtag mit einem Gottesdienst, dem P. Erhard Rauch, früherer Provinzial der Salvatorianer, vorstand.

Die Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen wurde 1888 von Johann Baptist Jordan gemeinsam mit Therese von Wüllenweber gegründet. 1899 wurde die erste österreichische Niederlassung in Wien errichtet, die Provinz entstand 1926. Heute leben die Salvatorianerinnen in kleinen Gemeinschaften in verschiedenen Orten in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Oberösterreich.

Die Schwestern in der Provinz Österreich sind u. a. im ordenseigenen Krankenhaus St. Josef (Wien), in Initiativen wie „Solwodi“ für Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel oder in der geistlichen Begleitung sowie der Mitarbeiter- und Führungskräftebegleitung aktiv.

 

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